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Full text of "PAINAPPLE Ready 04"

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PAINAPPLE 

EINE BROSCHÜRE 

BEISPIEL FÜR EINE AUSEINANDERSETZUNG MIT 
SEXUALISIERTEN ÜBERGRIFFEN IN 
SELBSTORGANISIERTEN RÄUMEN 




INHALTSVERZEICHNIS 


TRIGGERINFORMATION 3 

VORWORT 4 

EINLEITUNG EINER BETROFFENEN PERSON 5 

WAS PASSIERT IST - 7 

SCHILDERUNG EINER BETROFFENEN 

VERANSTALTERORGA UND VERANSTALTUNGSORT 15 

AN EINEN FREUND 19 

BEGRIFFSERKLÄRUNGEN 20 


ZEHN VORSCHLÄGE FÜR MENSCHEN DENEN KOMMUNIZIERT 25 
WURDE, DASS SIE SICH ÜBERGRIFFIG VERHALTEN HABEN! 


DER TYP HAT IMMER DEN JOKER GEZOGEN ODER WARUM WIR 33 
GLAUBEN DAS DIESE GRENZVERLETZUNG KEIN EINZELFALL IST! 

CHRONOLOGIE ZUR EINEM VERSUCH TRANSFORMATIVER 35 
ARBEIT VON ZWEI FREUNDEN MIT EINER GEWALTAUSÜBENDEN 
PERSON IN ABSPRACHE MIT DER BETROFFENEN 


TEXTE UND GRUPPEN 


51 



TRIGGERINFORMATION 


Achtung! Ausschnitte aus den folgenden Texten beschreiben 
grenzüberschreitende und sexualisierte Gewalt in detaillierter Weise 
und können deshalb Menschen triggern (das heißt mit unerwünschten 
Erinnerungen von erfahrener Gewalt konfrontieren). 

Nehmt euch Zeit und lest diese Broschüre in einer angenehmen 
Atmosphäre; im Zweifel in Anwesenheit euch vertrauter Menschen. 

Diese Broschüre, beziehungsweise die Prozesse, die darin beschrieben 
werden, finden in einem weißen und mitteleuropäischen Umfeld statt 
und müssen vor diesem Hintergrund gelesen werden. 

Wir verwenden für den Begriff „Täter“ oder „gewaltausübende 
Person“ die cis-männliche Form, weil wir glauben, dass sexualisierte 
Gewalt hauptsächlich von Cis-Männern ausgeht. Damit soll nicht 
verschwiegen werden, dass auch von anderen Genderidentitäten 
sexualisierte Gewalt ausgeht und weiters sind wir uns auch im Klaren 
darüber, dass es in anderen Communities ebenso zur Ausübung von 
sexualisierter Gewalt kommt und sie auch tagtäglich gerechtfertigt 
wird. Eine gendergerechte Formulierungsweise in diesem Punkt 
würde, unserer Meinung nach, die tatsächlichen Herrschaftsver¬ 
hältnisse dieser Gesellschaft verschleiern. Weiters sind wir auch der 
Meinung, dass im Patriarchat das Machtgefüge wechselseitig ist und 
alle Menschen (egal welches Gender) daran beteiligt sind. 

Lest all die Texte kritisch. Macht euch bewusst, dass es ein langer Weg 
ist, Betroffene von sexualisierter Gewalt zu unterstützen. 


- 3 - 



VORWORT 


Diese Broschüre ist in Zusammenarbeit mit einer von sexualisierter 
Gewalt Betroffenen und mit zwei Freunde der gewaltausübenden 
Person, in einen Zeitraum von ungefähr einem Jahr entstanden. 

Diese Broschüre soll eine Hilfestellung im Umgang mit sexualisierter 
Gewalt für selbstorganisierte & emanzipatorische Gruppen sein. 

Sie soll eine Hilfestellung für übergriffige Personen sein. 

Sie soll Einblick in die Gefühlswelt einer von sexualisierter Gewalt 
Betroffenen geben. 


WIEN 2019 


- 4 - 



EINLEITUNG EINER BETROFFENEN PERSON 

Der Grund, dass ich Teil dieser Arbeit war, ist ein Übergriff letzten 
Herbst. Vor 2 Monaten habe ich meinen Text über diesen Vorfall im 
Radio gehört, der dort von Frauen* im Rahmen des Frauentags 2019 
verlesen wurde. Ich musste weinen, weil es mich so berührt hat, die 
Solidarität zu spüren. 

Vielleicht etwas makaber klingend, aber für mich stimmig - ein Kom¬ 
mentar im Radio war “...wie man sieht, was das mit einem Menschen 
machen kann, auch wenn es objektiv gar nicht so schlimm war..” 

Was nach außen “klein” wirkt, ist in Wirklichkeit “groß”, körperlich 
und seelisch. 

Alles hat Konsequenzen (auch wenn man es nicht merkt). 

Eine Berührung, eine Bewegung kann klein sein, ist aber eingebettet 
in eine Situation, in einen Kontext. 

Ein Gefühl, kann objektiv nur „schlimm“ sein, ist aber für die 
betroffene Person Horror. 

-Kann eine Sekunde Panik heißen 

-können Milli-Sekunden Angst sein, in denen man sich fragt, wohin 
die Hand als nächstes rutscht 

-können Minuten sein, in denen man nicht weiß was man tun soll, 
aber weiß, dass nichts mehr stimmt. 

1 Sekunde kann im Nachspiel monatelange Aufarbeitung heißen. 

1 Berührung kann große Konsequenzen haben. 

1 Handlung kann alles ändern. 

Ich wollte der Person, die sich übergriffig verhalten hat, nicht nah 
sein. Weder körperlich, noch geistig - musste es aber. 

Seit letzten Herbst, l.Nov.2018, als ich belästigt wurde, muss ich es. 


- 5 - 



Dass man Gefühlen wie Angst, Panik, Erniedrigung, Ohnmacht 
ausgesetzt wird, sollte man auch niemandem zumuten. Darüber zu 
sprechen schon. 

Es werden auch Leute belästigt und alles ist “okay”, ohne belastende 
“Konsequenzen”. 

Aber es ist nie “alles okay”, finde ich.. 

Es wirkt. Es wirkt auf uns, wie Menschen so „tun”. 

Und wir wirken. 

- Als Täter, als Betroffene*, als Freunde, als Beisteher, als Gesellschaft, 
die sich entscheiden kann, ob sie sich damit auseinandersetzen will 
oder nicht. 

Viel interessanter als die bloße Übersetzung des Textes „Ten Sugge- 
stions For People Called Out For Abusive behavior“ by wispy cock- 
lesaus dem Zine „ASK FIRST“ ins Deutsche war der Prozess von 4 
Personen, die der Vorfall am I.Nov 2018, zusammengewürfelt hat. 
Die Betroffene, die gewaltausübende Person und die beiden mit der 
gewaltausübenden Person befreundeten Personen die über die ge¬ 
samte Zeit mit beiden in Kontakt stand.. 

Nach und nach haben wir Drei, die Betroffene und die mit dem Tä¬ 
ter befreundeten Personen, angenähert, zusammengesetzt, Emails 
geschrieben, getroffen und besprochen wie wir miteinander und mit 
uns selbst umgehen wollen, und was dieser Prozess bringen soll. 


- 6 - 



WAS PASSIERT IST - SCHILDERUNG EINER BETROFFENEN 


Party. Lange Afterhours. Gegen ll/12Uhr mittags, noch immer 
draußen. S. hat einige GinTonics getrunken und wir haben uns eine 
Weile unterhalten. Irgendwann hat er seinen Kopf auf meine Schulter 
gelegt, was ok war, aber mich ein bisschen verschreckt hat. Irgendwann 
wollte ich ins Bett gehen. Er meinte, er schläft im selben Schlafsaal. 
Ich war betrunken und fertig, aber noch klar im Kopf. Er war megazu. 
Auf dem Weg zum Schlafsaal fragt er, ob ein wenig Kuscheln drin war. 
Ich sage sofort: Nein, bin kein Kuscheltyp, hab keine Lust auf sowas. 
Wir lachen ein bisschen. Dann stelle ich klar, dass da nichts gehen 
wird und ich keine Lust auf irgendwas Sexuelles hab. Ich sage ihm, wir 
können gern nebeneinanderhegen auf meiner Matratze und unsere 
Körper können aneinanderhegen, aber sonst will ich keinen Kontakt. 
Er findet das ok. 

Ich hab das so klar ausgesprochen, da ab dem Zeitpunkt, wo er meinte, 
er schläft auch im Schlafraum, klar war, dass er darauf hinauswill, wir 
könnten irgendwas miteinander haben. 

Normalerweise mit einem fremden Typen wäre ich schon abweisender 
gewesen. 

Da ich S. kenne und ein gewisses Vertrauen dadurch habe, dachte ich, 
das klare Aussprechen von “was heute Nacht für mich geht und was 
nicht” reicht als Grenzsetzung. 

Als wir in den Schlafraum gehen, geht er plötzlich weg und ich ma¬ 
che ihm Zeichen und fragendes Gesicht a la “Hä, wie jetzt, doch kein 
Nebeneinanderhegen?!” 

Dann kommt er und legt sich hin und hat einen minutenlangen 
Lachanfall. 

Wir hegen. Dann check ich, dass er meine Decke komplett nimmt 
und schon halb in Löffelchen-kuschel-stellung geht. Ich frage mich, 
ob ich die ganze Nacht um meine Decke kämpfen muss. Es ist sehr 
kalt im Raum. 

Ich ziehe die Decke zu mir und rutsche ein bisschen umher. Ich kann 


- 7 - 



mich nicht erinnern, ob ich dazu etwas gesagt habe oder wieviele Mi¬ 
nuten dann vergangen sind. Dann sind wir beide schon im Halbschlaf, 
plötzlich fällt unbeholfen ein Arm auf mich und landet quer auf mir. 
Keine besondere Gezieltheit auf besondere Körperpartien. Es war 
eine sehr unkoordinierte betrunkene Bewegung. Ich hab' seinen Arm 
genommen und zurück auf seine Seite gelegt. 

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Angst. 

Ich hab' mich zu ihm gedreht und laut und deutlich ausgesprochen: 
“Genau das geht nicht, ich hab dir gesagt, kein Anfassen.” (circa in 
diesem Wortlaut) 

Dann habe ich 100% gesagt, während er ansprechbar war und mich 
angeschaut hat: “Du weißt eh, NO MEANS NO”. 

Er hat irgendwas gesagt, im Sinne von “akzeptiert”. Er hat also noch 
registriert. 

Dann habe ich mich wiederhingelegt und war lediglich genervt und 
bereute, dass ich ihm überhaupt erlaubt hab neben mir zu hegen. Bzw. 
Erst da ist es erst langsam bei mir gesickert, dass er total im Suff ist 
und dass ich vielleicht kein Vertrauen haben sollte. 

Ein paar Minuten vergehen. Irgendwann hab' ich auch mal probiert 
meine Decke zurück zu bekommen, aber er hat sie zu festgehalten. 
Dann rutscht er eng an mich in Löffelchenstellung klammernd 
und hat mich gezielt am Oberkörper gehalten, so dass seine Hand 
an meinem Brustansatz war. Dies war die typische, bekannte sehr 
enge intime Position, von der Seite umarmen. Eine Position, die ich 
normalerweise nur mit romantischen Partnern erlaube. 

Absolut übergriffig. Besonders wegen der Hand am Brustansatz auch 
nochmal sexualisiert. 

Die Sekunde, wo sich die Hand an meinen Brustansatz gebohrt hat, 
bin ich eingefroren. 


- 8 - 



Da der Griff jetzt schon fester war und er außerdem mehrmaliges 
Grenzsetzen ignoriert hat, habe ich Angst bekommen. Es war jetzt 
klar, dass er mich belästigt und das Worte nicht reichen. Ich musste 
mich aus dem Griff lösen und ihn wegschieben. Ich musste mir über¬ 
legen, ob es noch Schlimmer wird. 

Ich war unter Schock glaube ich. Ich weiß noch, ich hab' eine Ge¬ 
dankenflut bekommen: Scheiße, er hat das echt gemacht! Ich muss 
hier weg! Wo soll ich schlafen? Er hat meine Decke! Ich war ziemlich 
versteinert körperlich. 

Er war nicht mehr ansprechbar und ich konnte und wollte ihn nicht 
zurechtweisen. Ich wusste nur, dass ich weg muss. Ich bin ganz weg¬ 
gerutscht und hab überlegt was ich machen soll, lag noch ein paar 
Minuten. Mir war kalt. Dann hat er auf einmal angefangen auf die 
Decke zu kotzen und ich wollte eh nur noch weg. 

Dann ist mir eingefallen, dass es den Vortragsraum gibt und bin auf¬ 
gestanden und gegangen. Da dort offen war, konnte ich dort schlafen. 
Ohne Decke. Stunden später bin ich in den Schlafraum, wo er noch 
geschlafen hat. Da hab' ich auch gesehen, dass er seine Decke gar 
nicht mitgenommen hatte, die lag noch auf seiner Matratze. Als er zu 
mir kam, hatte er wohl den Gedanken, wir teilen uns meine Decke... 


********* 


Das Problem von solchen Handlungen unter Alkoholeinfluss ist, dass 
man von außen werten könnte: 

Das war nicht bewusst, die Person war nicht zurechnungsfähig. 
Gleichzeitig ist das der Freischein für sexualisierte Gewalt- für Personen, 
die ihren Alkoholkonsum nicht kontrollieren können/wollen. 

* * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * * X- * * * * * * X- X- * * * * * * * * * * * * * X- * * X- * X- X- * * 


Ich möchte ein bisschen die Prozesse meiner Gefühlswelt beschreiben, 
die symptomatisch für Opfer von sexueller Gewalt oder Belästigung 
sind. 

Dies teile ich für meine Verarbeitung und zur Bewusstseinsarbeit für 
meine Umwelt. 

Während ich das schreibe, bin ich emotional belastet, musste mehre¬ 
re Male weinen. Dies ehrlich zu sagen und das alles gleichzeitig auf 
sachliche Weise zu schildern, ist für mich selbst befremdlich und ruft 
auch die Angst in mir hervor, jemand könnte mir unterstellen, ich 
möchte auf die Tränendrüse drücken. 

Die Herausforderung so tief persönliche Dinge für andere offenzulegen, 
macht sehr verletzlich und macht es mir gleichzeitig möglich, diese 
Sache zu bearbeiten. 

Dinge müssen angesprochen werden, an die Oberfläche, damit es 
nicht in mir bleibt. 

Und dass andere daraus lernen und wir unser Verhalten und Kultur 
reflektieren. 

Die psychische Belastung, der ich ausgesetzt war während diesen 
Handlungen, ist: 

Angst spüren, Schockzustand, damit verbunden das Gefühl von 
Ausgeliefertsein/ sich wie ein Opfer fühlen, weil sich wehrlos und be¬ 
droht fühlen. Keine Sicherheit haben. 

Danach spürte ich Stress, weil allein auf einem unbekannten Gelände 
umhergehend und einen Schlafplatz suchen müssen/ nicht wissen, ob 
der Raum dort offen oder sicher ist (Vortragsraum, wo ich letztend- 
lich geschlafen hab) 


- 10 - 



Kurze Zeit später, am nächsten Tag: 

sich allein und minderwertig fühlen, weil ich zum Teil nicht hand¬ 
lungsfähig war/Vorwürfe, nicht das Richtige getan zu haben, nicht 
stark genug gewesen zu sein. 

Angst der eigenen Beurteilungfähigkeit. 

Angst, dass einem nicht geglaubt wird. 

(Es ist leider an der Tagesordnung, dass man sich in solchen Fällen 
rechtfertigen muss und nicht darauf zählen kann, dass einem geglaubt 
wird, geschweige denn, dass einem erstmal psychische “ErsteHilfe” 
geleistet wird.) 

Zweifel an der eigenen 

Willensstärke/Handlunsfähigkeit/Emanzipiertheit: 
besonders in den Tagen und Wochen danach in Gesprächen mit Be¬ 
kannten/Freunden, 

die oft nicht empathisch sind und nur sagen: 

“Warum hast du nicht das und das getan? 

Warum hast du ihm keine reingehaun?”, 

„Du hättest das und das machen können/sollen!“ 

Oder auch behebt: Ratschläge fürs nächste Mal geben... 

Dies verstärkt nur das Zweifeln an einem Selbst, weil es mir als Betrof¬ 
fene impliziert, ich habe das mit anscheinend unzureichendem Han¬ 
deln selbst verschuldet. Somit auch Stigmatisierung der Opferrolle: 
”Du warst dumm, das hättest du besser wissen müssen./ 

Du warst schwach, du hast dich nicht gewehrt.“ 

Der Fokus scheint meine Unzulänglichkeit zu sein, anstatt Verständ¬ 
nis und Unterstützung zu zeigen, damit man sich aufgefangen fühlt. 



Vertrauen: 

Nur das Anvertrauen ist eine Überwindung, weil man nicht immer 
Leute um sich hat, wo man sicher ist, dass sie dich bedingungslos un¬ 
terstützen und wissen, was man sagen muss und was nicht. 

Da das Ganze jetzt in meinem Bekanntenkreis umher geht, muss ich 
die Selbstdisziplin und Stärke habe, immer wieder die Konfrontation 
zu handeln, die nicht immer die sensibelsten Mitstreite Ginnen hat. 


Eine Bekannte hat mich kürzlich angesprochen, weil sie meinte, alle 
reden darüber (und sie hat auch mit S. geredet). Sie wolle sich nur 
erkundigen, ob es mir gut geht. Letztendlich war die Absicht des 
Gesprächs mir Infos zu entlocken (die Person stellte sich noch dazu 
als Mitbewohnerin und Vertraute des Täters heraus). 


Ich solle doch mit S reden und ich solle die Details erklären, 
denn niemand weiß ja was wirklich passiert ist. S. würde es wirklich 
gern wissen, denn er hatte einen Filmriss und ihm tue es so Leid. 


->Sie nimmt die Rolle des Sprachrohrs des Täters ein, anstatt, dass 
der Fokus auf meiner Gefühlswelt, mir Unterstützung gebend, bleibt... 





******* 


Mein ganzes Leben erlebe ich, dass ich meinen Körper schützen muss 
und Angst habe, dass Menschen meine Grenzen nicht respektieren. 
Belästigung und Angrapschen habe ich bisher nur durch mir fremde 
Personen erlebt. Von Anfassen, Anstarren, Küssen etc habe ich jegliche 
Form von Übergriffen an so ziemlich allen Körperstellen erlebt. 

(Zum Glück keine Vergewaltigung.) 

Das erste Mal erlebe ich, wie es ist, wenn es ein Bekannter ist. 
Besonders das Nachspiel, der Umgang dessen, im Bekanntenkreis ist 
genauso belastend,wie die Tat selbst. 


Mein Vertrauen zu Männern ist durch die etlichen Übergriffe und 
allgemeine Diskriminierung generell immer geringer geworden mit 
den Jahren. 

Der Umgang und die Reflektion von Patriarchat im eigenen Verhalten, 
besonders unter Cis-Männern, ist ungenügend und findet meist in 
Theorie statt. 

Von Bekannten, engen Freunden sowie von der männlichen All¬ 
gemeinheit erlebe ich das, was man besonders im linken oder 
aufgeklärten Spektrum nicht wahrhaben möchte. 

Die Linke ist genauso wie die Welt “da draußen”. 

Mein letzter Partner hat Sachen wie ”die sollte mal richtig durchgefickt 
werden” gesagt und ich verarbeite noch diese Beziehung, die u.a. die 
großen Probleme “Männlichkeit” hatte. 

Mein Vertrauen ist also erst grad wieder im Aufbau... 

Was bei mir grad präsent ist, dass ich das Gefühl habe, immer wachsam 
sein zu müssen, noch mehr direkt durchgreifen und noch mehr Gren¬ 
zen ziehen zu müssen. 

Als ob die Verantwortung und Kontrolle immer bei mir hegen muss 
und “sich öffnen” prinzipiell eine Gefahr ist. 


- 13 - 



Besonders männliche Wesen, wie auch S., müssen sich bewusst sein, 
dass Übergriffigkeit/Belästigung eine physische wie auch psychische 
Verletzung ist. 

Eine Übertretung der Intimsphäre und ein Eingriff in die Würde. Im¬ 
mer in einen Gesamtkontext einzuordnen ist und immer weitreichen¬ 
de Folgen für die betroffene Person 
(hier aus meiner Perspektive, weiblich-hetero) hat. 
u.a. betreffend: 

+Vertrauen zu Menschen/ insbesondere Männern 
+Umgang mit dem eigenen Körper, Sexualität 

-(-Selbstbild und eigene Widerstandsfähigkeit/Selbstschutzfunktionen 
-t-Bildnis von Intimität, Körperlichkeit, Nähe 
-(-Wahrnehmung von Männlichkeit 


Alles Erlebte wird abgespeichert und trägt zum Selbstbildnis, der 
Gefühlswelt, Verhaltensänderungen und Bild der Umwelt bei. Das 
muss nicht heißen, dass alle Betroffenen sichtbar oder bewusst leiden 
oder einen tiefgehenden Schaden davontragen. Jedoch auch nicht, 
dass man davon unbeeinflusst bleiben kann. 

Leider: 

Das letzte Mal, als ich in linken Räumen in Wien geschlafen hab, war 
ich allein. Es war nachts nach einer Party und zwei Typen im Schlaf¬ 
raum zu mir: “Ah, schön, dass du kommst, wir haben uns grad ge¬ 
wünscht, dass noch ein hübsches Mädchen kommt.“ 

Ich bin umgedreht, weil ich Angst hatte, war eine halbe Stunde 
spazieren, bin zurück und hab spekuliert, dass dann alle schlafen. 
Dem war so, Schlafsack genommen und in die gegenüberliegende 
Ecke des Schlafraumes gegangen. Die Nacht war dann ruhig. 

Hiermit also nochmal die Verdeutlichung “Problempunkt Schlafraum”. 


- 14 - 



VERANSTALTERORGA UND VERANSTALTUNGSORT 


Wir möchten betonen, dass der Veranstaltungsort und die 
Veranstalterinnen nicht ident sind. 

Knapp 1 Jahr nach dem Vorfall stellen wir fest das weder die 
Veranstaltergruppe noch der Veranstaltungsort ernsthafte Konse¬ 
quenzen gezogen haben. 

Die Aktiven des Veranstaltungsortes haben zwar über den Vor¬ 
fall diskutiert und der gewaltausübenden Person ein Hausverbot 
ausrichten lassen. 

Jedoch kontaktierten sie uns nicht mehr, obwohl dies eigentlich 
bei dem ersten Treffen, wo wir sie über den sexualisierten Über¬ 
griff informierten, die Abmachung war. Bei diesem ersten Treffen 
kommunizierten wir hauptsächlich, dass es zu diesem Übergriff 
gekommen war und übermittelten das Gedächtnisprotokoll der 
Betroffenen. Wir gaben die Forderungen der Betroffenen weiter und 
auch den Wunsch vor Gesprächen darüber das Gedächtnisprotokoll 
zu lesen. 

Weiters wurde diskutiert Poster aufzuhängen und Disclaimeransagen 
zwischen Auftritten zu machen - bei einem Konzert danach wurde 
das auch gemacht. 

Als weitere Reaktion wurde über ausgehängte Zettel kommuni¬ 
ziert das der Veranstaltungsort keinerlei Belästigungen und Über¬ 
griffe duldet und sich als Raum mit antisexistischen Ansprüchen 
sieht. Heißt zum Beispiel das bei Vorkommnissen dieser Art die 
anwesenden Leute der Gruppe gerne ein offenes Ohr haben und sich 
in einer verantwortlichen Rolle sehen. 

Die Veranstalterorga hat weder gegenüber der Betroffenen, noch ein 
offizielles Statement bezüglich des Übergriffs formuliert. Bis heute ist 
nicht spürbar das die Veranstaltungsorga geschlossen Verantwortung 
übernehmen will. 

Der Umgang der Veranstalterorga mit dem Übergriff sehen wir nicht 
als „besonders schlecht“, 


-15 - 



sondern sind Teil des Normalzustandes. Der Umgang mit sexualisierten 
Übergriffen ist nicht ein beständiger Teil der alltäglichen politischen 
Praxis von selbstorganisierten Räumen, sondern wird (nicht zuletzt 
aufgrund der Tabuisierung) als etwas aussergewöhnliches behandelt. 

Manchmal kommt es aufgrund von einem politischen Interesse, ei¬ 
nem Übergriff, einer Grenzverletzung, etc. dazu, dieses Thema als ei¬ 
genständigen Diskussionspunkt zu behandeln. In unserer Wahrneh¬ 
mung kommt es aber viel zu off vor, das sexistische Verhaltensweisen 
und patriarchale Gewalt an einzelnen gewaltausübenden Personen 
festgemacht und dort auch vermeintlich isoliert wird. 

Die Verantwortung über eine allgemeine Debatte und Sensibilisierung 
mit dem Thema wird dann gerne jenen umgehängt, die sich damit ge¬ 
wollt oder ungewollt, auseinandersetzen. 

So war es in unserem Fall, zumindest teilweise, sehr leicht 
Konsequenzen für die gewaltausübende Person zu schaffen, allerdings 
wurde keine besonders nachhaltige Auseinandersetzung im Bezug auf 
die eigenen Strukturen sichtbar. 

Es ist unabdingbar eine eigenständige Praxis zu entwickeln! 


- 16 - 





AN EINEN FREUND 

(von Ana Molly) 

muss ich es dir erst erzählen, 
was er getan hat, 

damit du dich entscheiden kannst, 
dass Männersolidarität nicht angebracht ist? 
muss ich es euch immer erklären 
bis mir die Tränen kommen? 
sich raushalten, das gibt es nicht 
aber du verstehst das nicht 
du hast deine Entscheidung bereits getroffen, 
aber du siehst es nicht 
ihm hörst du zu, wenn er klagt 
bei ihm hat es dich interessiert 
bei mir ziehst du die Augenbrauen hoch 
schüttelst den Kopf 
als ginge es dich nichts an 
aber du hast dich positioniert 
meine Kritik zerschmettert 
mit einem einzigen Satz verharmlost 
als ginge es um einen Streit, lächerlich 
als wollte ich lästern 
und du siehst meine Tränen nicht 
sie sind für dich lediglich ein Signal, 
dass du flüchten musst 
sich Antisexisten schimpfen 
dass ich nicht lache 
aber nein, ich weine 
ihr reflektiert nur eure Umwelt 
nicht euch selbst 
Angst sei es, sagtest du, 
warum du nicht reflektierst 
ich habe auch Angst 
Angst vor Gewalt, 
die du nicht sehen willst 
aber er ist ja dein Freund 


- 19 - 


auf resistas.blogsport.eu gefunden 



BEGRIFFSERKLÄRUNGEN 

TRANSFORMATIVE GERECHTIGKEIT + KOLLEKTIVE VERANTWORTUNGSÜBERNAHME 

“Aus ihrer Theorie und Praxis ist in den letzten 20 Jahren eine Bewegung 
erwachsen, die Alternativen entwickelt hat, um mit sexualisierter und 
Partner*innen Gewalt umzugehen. Sie gruppiert sich um die Begriffe 
Community Accountability (übersetzt etwa: kollektive Verantwor¬ 
tungsübernahme) und Transformative Justice (auf Verhaltensände¬ 
rung zielende Gerechtigkeit). 

INCITE!, ein Netzwerk radikaler Feminist_innen of Color, das eine 
VorreiteUinnenrolle in dieser Bewegung innehat, beschreibt die vier 
Grundpfeiler so: 

a) kollektive Unterstützung, Sicherheit und Selbstbestimmung für 

betroffene Personen; 

b) Verantwortung und Verhaltensänderung der gewaltausübenden 

Person; 

c) Entwicklung der Community hin zu Werten und Praktiken, die 

gegen Gewalt und Unterdrückung gerichtet sind; 

d) strukturelle, politische Veränderungen der Bedingungen, die 

Gewalt ermöglichen. 

In unserer Gesellschaft werden sexualisierte Gewalt wie auch Rassis¬ 
mus oder Homophobie in erster Linie als ein individuelles, affektives 
Problem (motiviert durch „Hass“) und weniger als weitverbreitete 
gesellschaftliche, institutionalisierte Phänomene wahrgenommen. 
Der transformative Ansatz erkennt Gewalt hingegen als systemati¬ 
sches Problem an. Gewalt wird oft von Personen verübt, die selbst 
Isolation, Gewalt oder persönliche Brüche erlebt haben (dies bietet 
eine Erklärung, aber keine Entschuldigung für Gewalt.) 

Aber der Ausschluss einer gewalttätigen Person ändert nichts an den 
systemischen Wurzeln von Gewalt. Soziale Beziehungen sind ein Teil 
der Lösung: Beziehungen, die eine kritische Auseinandersetzung 
fordern und fördern. Das Konzept der transformativen Gerechtig¬ 
keit hat hingegen ein neues Verständnis von Gerechtigkeit und Si¬ 
cherheit. Die Verantwortung für Gewalt wird nicht als individuel¬ 
le, sondern als kollektive Aufgabe betrachtet. Daraus folgt, dass der 


- 20 - 



gewaltausübenden Person Möglichkeiten zur Verhaltensänderung 
angeboten werden, anstatt sie, der Gefängnislogik folgend, als ein 
paar „faule Äpfel“ zu bestrafen und auszustossen. 

Gleichzeitig wird das Umfeld mobilisiert, um die von Gewalt 
betroffene Person zu unterstützen. Da sich sexualisierter Gewalt 
am häufigsten im bekannten Umfeld oder innerhalb der Familie 
ereignet, haben betroffene Personen über die Tat hinaus oft mit kom¬ 
plizierten Beziehungsgeflechten zu kämpfen, die nicht mithilfe ei¬ 
nes Gerichtsverfahrens oder Kontaktverbots gelöst werden können. 
Oft fehlt für den Umgang mit dieser Gewalt das Wissen und Kön¬ 
nen in Communities, besonders bei den Leuten, die sehr nah an der 
gewaltausübenden Person sind. Eine eigene Auseinandersetzung mit 
Gewalt und mit der Idee, dass eine wichtige Person im eigenen Leben 
Gewalt ausüben kann, muss eigentlich vor einer Krisensituation pas¬ 
sieren. Jedes Konzept von Gerechtigkeit kann wiederum auch gegen 
von Gewalt betroffene Menschen genutzt werden - es geht daher um 
eine ständige Auseinandersetzung mit der gelebten Praxis. Es müssen 
zuerst verantwortungsbewusste Communities gebildet werden....“ 

Link: https://awarenetz.ch/workshops/ und Link: https://www.zeitschrift-luxemburg.de/si- 
cherheit-von-links-der-transformative-justice-ansatz/ 







GEWALTAUSÜBENDE PERSON 

“In diesem Artikel verwenden wir den Begriff „gewaltausübende 
Person“ (engl, aggressor) für eine Person, die sexualisierte Gewalt 
(Vergewaltigung, sexuelle Belästigung, Nötigung etc.) gegenüber 
einer anderen Person ausgeübt hat. Wir benutzen diesen Begriff 
nicht, um Vergewaltigungen zu verharmlosen. In unserer Arbeit, 
die darin besteht, Verantwortungsübernahme außerhalb eines 
Strafjustizsystems zu bestimmen, versuchen wir, das Vokabular dieses 
Systems, etwa ‘Täter’, ‘Vergewaltiger’ oder ‘Triebtäter’ zu vermeiden. 
Außerdem verwenden wir in diesem Artikel Personalpronomen ab¬ 
wechselnd und austauschbar.” 

MISSBRAUCH, SEXUALISIERTER ÜBERGRIFF 

Mit diesem Begriff soll deutlich gemacht werden, dass es Gewalt ist die 
bei einem Übergriff verübt wird und das es meistens nicht darum geht 
sexuelle Lust zu befriedigen. Sondern es geht um die Manifestierung 
eines sozial konstruierten, sexistischen Machtverhältnisses. In einem 
patriarchalen Machtgefüge ist sexualisierte Gewalt die häufigste 
Form, wie Macht und Kontrolle über die Betroffene ausgeübt werden 
kann und eine Hierarchie aufrechterhalten wird. Die Begrifflichkeit 
schließt sowohl physische als auch psychische Faktoren mit ein. 

SEXUELLE GEWALT 

In einem allgemeineren Kontext ist es die rechtsstaatliche Definition, 
die mit einer Vergewaltigung assoziiert und als solche anerkannt 
wird. Es schließt jedoch keine Auseinandersetzung damit mit 
ein und schon gar nicht ein thematisieren der Alltäglichkeit von 
Grenzüberschreitungen. 

PSYCHISCHER ÜBERGRIFF 

Neben dem Thema der sexualisierten Gewalt benennt dies eine weitere 
Form von patriarchaler Unterdrückung. Off sind diese beiden Kategorien 
nicht voneinander klar zu trennen oder das eine kann zum anderen füh¬ 
ren. Hier einige klare Beispiele: Einschüchterung, Isolation von Familie 
und Freunden, Versuche das Verhalten der Betroffenen zu kontrollieren. 


- 22 - 



ABWEHRHALTUNG 

Dies beschreibt eine Reaktion die meistens von gewaltausübenden 
Personen (Tätern) kommt um sich gegen eine Konfrontation mit 
sexistischen Verhalten/sexistischer Gewalt zu verteidigen. Es kann in 
verschiedensten Formen zu Tage treten, off auch nicht nur durch die 
konfrontierte Person sondern durch sein Umfeld. Ziel eines Verän¬ 
derungsprozesses nach der ausgeübten Gewalt ist es die Abwehrhal¬ 
tung zu erkennen, zu analysieren und sie abzulegen. Praktische Hand¬ 
lungsvorschläge dazu findet ihr unter Punkt 3: „Lerne zuzuhören“. 

BETROFFENE 

Der Begriff der Betroffenen (von sexualisierter Gewalt) konzentriert 
sich auf die Prozesse von Grenzüberschreitungen und grenzt sich 
ganz klar von dem Begriff eines Opfers ab. Damit soll eine Darstel¬ 
lung geschaffen werden, die nicht davon spricht das Menschen nach 
sexualisierten Übergriffen völlig passiv und irreparabel hilflos sind. 
Vielmehr geht es darum das eine Betroffene auch im Stande sein kann 
sich zu wehren und einen Umgang mit der Situation finden kann, in 
der sie eine aktive Rolle spielt. 

TÄTER 

Dieser Begriff beschreibt die Person die Gewalt bei einem Über¬ 
griff ausgeübt hat und gibt ihrer Rolle eine klare Benennung. Die 
Definition wer ein Täter ist hegt alleinig bei der Betroffenen und kann 
keine Selbst oder Fremddefinition sein. Konfrontation Bezeichnet 
das Benennen eines Übergriffs und das einfache bennen von Ge¬ 
walt. Dies kann auf verschiedenste Art und Weise geschehen. Es kann 
durch ein direktes Gespräch mit der Betroffenen geschehen, durch 
eine Mail, durch die Kontaktaufnahme zu einer Unterstützerinnen - 
gruppe, durch einen Brief, durch die Kommunikation eines Übergriffs 
an einen Freund oder einer Freundin von dir. Es steckt viel Courage 
hinter der Benennung von sexualisierter Gewalt und ist für Betroffene 
meistens sehr schwierig. Dementsprechend ist es erforderlich dem mit 
Wertschätzung gegenüberzutreten, anstatt mit Ablehnung. 


- 23 - 



SILENCING 

Darunter verstehen wir einen Mechanismus der in diesem 
Kontext als eindeutig patriarchal festzustellen ist. Nach einer Kon¬ 
frontation mit einem sexualisierten Übergriffen streut der Täter seine 
Wahrnehmung, sodass es für die Betroffene verunmöglicht wird ihre 
Wahrnehmungen überhaupt zu kommunizieren. Es würde nämlich 
bedeuten zu aller erst mal die verbreitete Wahrnehmung des Täters 
widerlegen zu müssen, um Gehör zu bekommen. In unserer (Selbst) 
Beobachtung ist „Silencing“ ein Mittel von Männern*, allgemein sich 
unangreifbar zu machen. Menschen zum Schweigen bringen kann 
auch heißen die Forderungen und den Prozess der Betroffenen und 
ihres Umfeldes zu attackieren. 


wir haben unter anderem die folgenden Quellen benutzt: 

- http://defma.blogsport.de/faq/#faq01 / 

- https://www.transformativejustice.eu/wp-content/uploads/2017/04/Das-Risiko-wagen.pdf 

- Buch: „Antisexismus_reloaded“ (re.ACTion Readergruppe für emanzipatorische Aktion) 

Vieles ist aber auch unsere eigenen Gedanken entsprungen, die keinen Anspruch auf Allgemein¬ 
gültigkeit erheben. Vielmehr ist es in unseren Prozess aufgekommen, dass es wichtig wäre ein paar 
weitläufige, abstrakte Begriffe zu definieren, um ein besseres gemeinsames Verständnis zu haben. 


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ZEHN VORSCHLÄGE FÜR MENSCHEN 
DENEN KOMMUNIZIERT WURDE, DASS SIE SICH 
ÜBERGRIFFIG VERHALTEN HABEN! 

1. SEI EHRLICH, BLEIB EHRLICH, WERDE EHRLICH 

Wenn du weißt, dass du die Person verletzt hast, die dir kommuniziert, 
dass du sie missbraucht hast, erkenne es an. Wenn du denkst, dass du 
sie verletzt haben könntest, lasse es sie wissen. Wenn du 
einen Anhaltspunkt hast, dass die Art und Weise wie du interagiert 
hast, die Würde oder die persönliche Grenzen von Personen über¬ 
schritten hast, lass es sie wissen. 

Der erste notwendige Schritt um einen Umgang mit unseren miss¬ 
bräuchlichen Tendenzen zu finden ist, dass wir die Verleugnungsund 
Ablehnungshaltung ablegen. Ablehnung ist wie eine Infektion. Es 
beginnt an einem bestimmten Ort (bestimmte Fälle und Situationen, 
Erbsenzählerei im Bezug auf bestimmte Teile einer Wahrnehmung 
einer Situation/mehrere Situationen) und wenn es nicht behandelt 
wird, dann eitert es und schließlich nimmt es uns völlig ein. Erst 
die Fähigkeit auszusprechen das mit unserem Verhalten etwas nicht 
stimmt, bringt uns einen sinnvolleren und ehrlicheren Umgang näher. 

2. DIE AUTONOMIE DER BETROFFENEN RESPEKTIEREN 

Die Autonomie der Betroffenen bedeutet, dass die Überlebende/Be¬ 
troffene von Missbrauch, und nur die Betroffene alleine, den Ton im 
Umgang mit dem missbräuchlichen Verhalten, angibt. 1 Das heißt 
die Betroffene gibt den Ton an und du musst mit ihrer Entscheidung 
leben. Du kannst nicht bestimmen wie oder ob überhaupt eine Me¬ 
diation/Konfrontation stattfindet. Du kannst auch keinen Prozess 
einleiten der die Situation auflösen sollte. Du musst es ausdrücklich 
klarstellen, dass du die Autonomie der Betroffenen in der Situation 
respektierst und, dass du gewillt bist dich in Richtung einer Auflö¬ 
sung der Situation zu engagieren. Möglicherweise will die Betroffene 
nie mehr am selben Ort mit dir sein. Es ist weder die Verantwortung, 
noch die Pflicht der Betroffenen eine Auflösung zu versuchen oder 


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mit dir in einen Dialog zu treten. Weiters ist es nicht ihre Aufgabe 
irgendeine Handlung in diese Richtung zu setzen. Jedoch ist es deine 
Verantwortung, als jemand dem ein Übergriff kommuniziert wurde, 
ihre Bedürfnisse und Wünsche zu respektieren. 

Transformative Prozesse führen zu einer generellen Infragestellung 
der eigenen Position und es kann ein Lernprozess entstehen indem 
ein Täter, aber auch die Menschen die mit ihm arbeiten ihre Macht¬ 
positionen in diesem Gesellschaftssystem verstehen lernen. Transfor¬ 
mative Arbeit dient somit auch der Prävention! 

'Anmerkung: Ich denke es wäre wichtig zu erwähnen, dass nicht nur die Forderung einer 
Betroffenen der Anlasspunkt für die eigene Konfrontation sein soll. 

3. LERNE ZUZUHÖREN 

1. Es ist zwingend notwendig, dass du gegenüber der Person, der du 
Gewalt angetan hast, deine Ohren und dein Herz öffnest. Das wird 
wahrscheinlich schwierig, weil Menschen dazu neigen sich selbst 
zu verteidigen wenn sie beschuldigt werden sich falsch verhalten zu 
haben. Um zuhören zu können musst du deine Abwehrmechanismen 
abchecken. Diese Vorschläge könnten sehr hilfreich für dich sein: 

A) Lass die Person, die dir einen Übergriff kommuniziert das 
Gespräch leiten. Wenn die Betroffene will, dass du antwortest 
dann mach es, ansonsten lass ihr den Raum. 

B) Mach dir bewusst, wenn du Antworten und Gegenpunkte 
in deinem Kopf formulierst, während die Betroffene ihre 
Wahrnehmung der Situation(en) schildert und hör auf damit. 

C) Konzentriere dich auf die Erzählung der Anderen und 
ihre Sicht des Erlebten, höre zu was sie erzählt statt darauf zu 
fokussieren wie du selbst das Erlebte in Erinnerung hast. 

D) Reflektiere über das Gesamte was die Betroffene zum 
Ausdruck brachte und nicht nur die Ungleichheiten zwischen 
deiner und ihrer Wahrnehmung des Geschehenen. 

E) Sprich mit deinen Freundinnen darüber wie du besser zu 
hören kannst, bevor du dich einer Mediation/Konfrontation stellst. 


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4. ÜBE DICH IN GEDULD 

Manchmal brauchen die Dinge Zeit um geklärt zu werden. Manch¬ 
mal braucht es Monate, Jahre, Jahrzehnte um etwas aufzulösen und 
manchmal gibt es keine klare Auflösung. Sei geduldig und versuche 
niemals eine Klärung, einen Dialog, eine Mediation zu erzwingen. Du 
kanst nach einem Gespräch oder einer Mediation fragen, aber wenn 
die Antwort „Nein“ lautet, dann heißt das „Nein“ bis sie sagt es ist „Ja“. 
Versuche nicht die Grenzen einer Person zu zermürben, indem du die 
Betroffene immer und immer wieder um einen Dialog oder eine 
Mediation fragst. Halte inne, reflektiere und denke über Machverhält¬ 
nisse in deinen Beziehungen mit anderen Menschen nach. 

5. GIB NIEMALS DER BETROFFENEN DIE SCHULD 

Sie hat dich nicht provoziert, dass du ihr Gewalt oder einen Übergriff 
angetan hast. Sie hat dich nicht provoziert, indem wie sie sich (auf¬ 
reizend) gekleidet hat. Sie hat dich nicht provoziert oder ist mitver¬ 
antwortlich, indem sie unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen 
stand. 

Sie hat dich nicht provoziert durch den Fakt das sie eine Sexarbeiterin 
ist. Sie hat dich nicht provoziert indem sie beschlossen hat mit dir aus¬ 
zugehen oder weil sie zu dir zurückgekehrt ist oder weil bekannt ist 
das sie auf Sado/Maso steht oder weil sich dich geneckt hat und auch 
nicht weil sie eine „Schlampe“ ist. Sie hat es nicht provoziert! 

Es ist nicht akzeptabel ihre Vorwürfe auf ihr Verhalten zurückzufüh¬ 
ren, weil sie ist nicht „hypersensibel“ gegenüber deinem bedrohlichen 
oder übergriffigem Verhalten. Es ist nicht akzeptabel zu sagen, dass sie 
den Übergriff übertreibt [aus welchen Gründen auch immer]. Es ist 
nicht akzeptabel zu sagen, dass sie es erfunden hat weil sie in der Ver¬ 
gangenheit auch Übergriffe erlebte. Entschuldigen zu finden warum 
jemand dein verletzendes Verhalten thematisiert, ist ein Weg wie du 
vermeidest Verantwortung für dein Verhalten zu übernehmen. 


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6. SPRICH FÜR DICH SELBST, LERNE DICH SELBER KENNEN 

Nur du alleine kannst deine eigenen Erfahrungen berücksichtigen. 
Das heißt aber nicht, dass du vermuten kannst, wie sich eine Betroffe¬ 
ne der du Gewalt angetan hast, in Situationen gefühlt hat. Du kannst 
niemals wissen, wie sich jemand in einer bestimmten Moment gefühlt 
hat und deshalb solltest du niemals glauben das es dir zusteht die Gül¬ 
tigkeit von Gefühlen zu bewerten. 

Wenn sie zum Ausdruck bringt wie sie sich gefühlt hat, was musst du 
dann wohl machen? Zu allererst solltest du zuhören! 

Es ist wichtig das du aktiv versuchst ihre Gefühle zu verstehen. Solltest 
du herausfinden das du ihre Gefühle einfach nicht verstehen kannst, 
ganz egal wie aufrichtig du es versuchst, gibt dir das trotzdem nicht 
die Legitimation ihre Gefühle nach ihrer Gültigkeit zu bewerten. 


- 28 - 


V 


7. BESCHÄFTIGE DICH DAMIT, WIE DU ANDERE MENSCHEN NICHT ZUM 
SCHWEIGEN BRINGST [SILENCING] 

Wenn du „deine Version der Geschichte“ erzählst, könnte es passieren, 
dass du eine Atmosphäre schaffst, die Betroffene von sexualisierter 
Gewalt zum Schweigen bringt. Wenn das Gefühl bei dir aufkommt, 
dass es einen großen Unterschied zwischen deiner Wahrnehmung 
und der Wahrnehmung der Betroffenen über die Situation(en) gibt, 
und du das Gefühl hast, dass du zu Unrecht beschuldigt wirst dann 
hol mal tief Luft! 

Mit der Zeit könnte es dazu kommen das du realisieren wirst, dass 
dein Verhalten übergriffig/verletzend/gewalttätig war. 

Es ist deine Verantwortung das du kontinuierlich dein Verständnis 
darüber wie dein Verhalten andere Menschen beeinflusst hinterfragst 
und, dass du dein Verständnis über die Macht die du über andere 
Menschen in deinen Beziehungen ausübst hinterfragst. 

Lies Bücher, nimm an einem Workshop für Täter/Therapieprogramm 
für sexualisierte Täter teil, such dir eine(n) Therapeut*in und entde¬ 
cke deinen eigenen Weg wie du dich mit deinem Verhalten konfron¬ 
tierst und lerne wie es andere Menschen betrifft. Arbeite an deinen 
eigenen Strategien. Verstehe das der Versuch deinerseits, deine Wahr¬ 
nehmung als „die Wahrheit“ zu verbreiten, zwangsläufig dazu führen 
wird auch andere Menschen zum Schweigen zu bringen. 

Es wird Menschen geben die Angst davor haben werden über ihre 
Übergriffserfahrungen zu erzählen und sie werden Täter nicht kon¬ 
frontieren. Das alles wegen deinem Verhalten, welches andere Men¬ 
schen zum Schweigen bringt. 

8. VERSTECKE DICH NICHT HINTER DEINEN FREUND INNEN 

Häufig sind die lautesten Menschen, wenn es darum geht Täter zu ver¬ 
teidigen, nicht die Täter selbst. Oft sind es ihre Freunde, Gefährt*in¬ 
nen und Lover. „Aber er ist wirklich ein(e) gute(r) Person/Aktivist/ 
Künstler“ oder „er tut soviel für die Community/Szene“ oder „Die 
Person die ich kenne wäre niemals in der Lage so etwas zu tun“ dies 
sind einige der häufigsten verteidigenden Reaktionen unter vielen. 
Solltest du erkennen das dich Menschen aus deinem Umfeld von 


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deinen Problemen isolieren wollen und sie deine Handlungen nicht 
hinterfragen, dann mach ihnen klar das es NICHT akzeptabel ist! 
Du musst dich auf die Kritik und die Wut der Betroffenen und ihrer 
Verbündeten einlassen. Du musst andere davon abbringen Menschen 
zum Schweigen bringen zu wollen. Besprich mit ihnen, dass wenn sie 
wirklich für dich da sein wollen, sollen sie dich dabei unterstützen 
dich selbst zu überprüfen und Wege zu finden wie du deine dominie¬ 
renden Verhaltensweisen verändern kannst. 


9. REAGIERE AUF DIE WUNSCHE DER BETROFFENEN UND DIE WUNSCHE 
DEINES UMFELDES 

Verantwortung für deine verletzenden Handlungen zu übernehmen 
ist ein wesentlicher Bestandteil des Heilungsprozesses. Du wirst auf 
die Wünsche der Betroffenen und deines Umfeldes eingehen müssen, 
unter anderem nicht nur für deren Heilungsprozesse, sondern auf für 
DEINE eigenen. 

Wenn die Betroffene einfordert/wünscht das du von gewissen Projek¬ 
ten/Aktivitäten ausgeschlossen wirst oder das du an einem Programm 
für Täter teilnehmen sollst oder das du eine Bücherrecherche, zu dem 
Thema „Vergewaltigungen und Missbrauch stoppen“, machen sollst 
oder das sie wollen das du irgendetwas machst was im Bereich des 
Möglichen ist, dann streite nicht mit ihnen darüber - gib ihnen das 
was sie wollen. 

Du musst der Betroffenen und ihrem Umfeld (Community) zeigen 
das du mit guter Intention an einen Umgang mit deinem gewalttäti¬ 
gen Verhalten findest oder das du zumindest gewillt bist dein Verhal¬ 
ten zu untersuchen. 

Zeig der Betroffenen und ihrem Umfeld (Community) das du ihre 
Bedürfnisse und Wünsche, hinsichtlich Sicherheit, Heilungsprozesses 
und das Beenden der Unterdrückung und ihre Entscheidungsunab¬ 
hängigkeit respektierst. Solltest du in einer Welt befreit von, sexua- 
lisiertem Übergriffen, Vergewaltigungen und Unterdrückung, leben 
wollen; dann wirst du die Autonomie der Betroffenen und die Selbst¬ 
bestimmung ihres Umfeldes (Community) unterstützen. 


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Und du wirst das auch tun, wenn du das Gefühl hast „ fälschlicherweise“ 
beschuldigt zu sein. 

Beschäftige dich mit der Dynamik andere Menschen zum Schweigen 
zu bringen und attackiere nicht die Forderungen und den Prozess der 
Betroffenen und ihres Umfeldes. Täter und ihre Unterstützerinnen 
tun dies in der Regel, um eine Ablenkung vom Thema herzustellen 
und sich selbst dabei ins Zentrum zu stellen. 


io. Übernimm Verantwortung - verhindere missbrauch und 

VERGEWALTIGUNG BEVOR ES PASSIERT 

Es braucht eine Menge Mut und Selbsterkenntnis um zuzugeben, dass 
du einen Menschen verletzt hast, seine Würde und seinen Selbstwert 
untergraben hast. Oder auch, dass du auf übelste Art und Weise Macht 
über einen Menschen ausgeübt hast. Es erfordert viel Aufrichtigkeit, 
um sich zu entschuldigen, ohne zu erwarten, dass dafür applaudiert 
wird oder sich dafür bedankt wird. 

Jedoch ist das der Punkt an dem wir beginnen unser gewalttätiges 
Verhalten zu überwinden. 

Zu wissen, dass du jemandem schlecht behandelt hast ohne etwas 
dagegen zu unternehmen, stellt eine Hierarchie sicher in der du ganz 
oben stehst. Es braucht Ehrlichkeit, eine gründliche Selbstuntersu¬ 
chung und Empathie um damit anzufangen unsere toxischen Verhal¬ 
tensweisen zu bekämpfen. Wenn du erstmal bereit bist zuzugeben, 
dass du ein Problem damit hast übergriffig zu sein (manchmal oder 
immer), dann kannst du anfangen rauszufinden wie und warum du 
das machst. Lerne zu erkenne, wenn du dazu tendierst in alte Muster 
zu verfallen und wie du es stoppen kannst. Du wirst dich selber besser 
kennenlernen und kontrollieren können. „Mein Leben war bis jetzt 
ein Leben, indem ich Muster, die zu Missbräuchen führen verlernt 
habe, die Rollen der gewaltausübenden Person und der Betroffenen 
abzulehnen und es ist noch lange nicht vorbei mit dem Prozess des 
Verlernens. 

In schlechte Gewohnheiten fällt man leicht wieder zurück und es ist 
leicht anzunehmen, dass wir keine Macht über jemanden anderen 
ausüben. Wir müssen diese Annahme beharrlich in Frage stellen, ge- 


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nauso wie wir verlangen würden, dass jede Annahme in Frage gestellt 
wird, damit sie nicht zu einem Dogma wird. Es ist wichtig, dass wir 
lernen, von unseren Sexualpartnerhnnen Zustimmung einzuholen. 
Es ist wichtig, dass wir lernen, aggressiven und passiv aggressiven 
Missbrauch in seinen verschiedenen emotionalen, wirtschaftlichen, 
physischen und sexuellen Ausformungen zu erkennen, und dass wir 
ihn aufhalten, bevor er sich auf eine ernsthaftere und schädlichere 
Ebene steigert. Wir müssen es zum Thema machen, wenn es uns bei 
uns selber oder bei anderen Menschen auffällt. 

Das ist ein Prozess wie wir Unterdrückung überwinden, ein Prozess 
der die Rollen von Tätern und Opfern verwirft. Es ist ein Pfad, der zur 
Freiheit führt, und er entsteht nur wenn wir ihn gehen. Wirst du den 
ersten Schritt machen? 


Übersetzt aus dem Englischen 2019 
Originaltitel:“Ten Suggestions For People Called Out For Abusive behavior“ 

by wispy cockles 

aus dem Zine „ASK FIRST“ https://archive.org.org/details/AskFirst 


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DER TYP HAT IMMER DEN JOKER GEZOGEN ODER WARUM WIR 
GLAUBEN DAS DIESE GRENZVERLETZUNG KEIN EINZELFALL IST! 

Prinzipiell denken wir das jeder Mensch der als Mann erzogen wur¬ 
de und dies auch so angenommen hat, in einem Machtverhältnis 
(Patriachat) immer in der strukturell dominanteren Position sitzt, 
ganz egal ob sich Dinge „ungerecht“ oder „gerecht“ anfühlen. 

In einer Situation, wie auf dieser Party, wo eine Person in der unter¬ 
drückten Position von der Person in der priviligierteren Position aus¬ 
genützt wird findet eine Grenzverletzung statt, diverse Begründungen 
dazu zu finden, wie zum Beispiel eins war angesoffen oder eins hatte 
einen Filmriss, sind irrelevant, weil Fakt ist das es die Aufgabe des Ty¬ 
pen ist solche Situationen nicht zu schaffen, (zu verhindern das man 
keinen Filmriss hat/oder nicht so angesoffen zu sein das man nicht 
mehr weiß was eins tut). 

Außerdem geht es ja eigentlich auch darum Machtstrukturen abzu¬ 
checken. So kommen in verschiedenen Zuständen verschiedene Ver¬ 
haltensmuster zum Vorschein, die Machstruktur dahinter exisitert 
jedoch konstant im Hintergrund! Die Situation um die es in dieser 
Broschüre geht ist in erster Linie kein einzelner Vorfall sondern, spiel¬ 
gelt nur die herrschenden Verhältnisse wieder und das ist auch das 
Brisante daran, warum es nicht einfach unter den Teppich gekehrt 
werden kann, bevor wir uns nicht immer und immer wieder einen 
Umgang überlegen können (alleine, mit Weggefährtennen) wie wir 
diese Situationen unterbinden oder vermeiden können. 

Wir denken es geht um ein Mindestmaß an Bewusstsein, das sich Ty¬ 
pen in jeder Situation bewahren sollten um nicht anderen Leuten die 
ganze Kraft, den ganzen Raum und die „Luft zum Atmen“ nehmen. 
Dies passiert sowieso die ganze Zeit, auf Treffen, bei Aktionen, in engen 
Beziehungen, ...dies ist für uns ein nennenswerter Teil von einem 
Kampf für Freiheit und Emanzipation ... 

KOMMENTAR, DISKUSSION RUND UM DIESEN KUIRZTEXT: 

Wir wollen hier transparent machen mit welchen Unsicherheiten und 
Meinungsverschiedenheiten beziehungsweisen Kontroversen wir uns 
während der Entstehung dieses Textes beschäftigten. So hatten wir 


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zum Beispiel verschiedene Meinungen darüber, ob wir die Adjektive 
stark/schwach benutzen wollen, um die verschiedenen Positionen in 
einem Machtverhältnis zu beschreiben. Es wurde das Argument auf 
den Tisch gebracht das diese Begrifflichkeiten Vorurteile, von wegen 
Frauen* wären schwächere Wesen, manfestieren und deshalb etwas 
total ungewolltes zum Ausdruck gebracht wird. 

Dem Stand das Bedürnis gegenüber, diesen Text plakativer zu formu¬ 
lieren, als viele andere Texte, um Typen mehr wachzurütteln und ihre 
priviligierte Position aufzuzeigen. Schlussendlich entschieden wir uns 
aber aus den angeführten Gründen, die Adjektive stark/schwach aus¬ 
zusparen. 

Ein weiterer Aspekt zeigte sich durch die Erwähnung das Männer in 
Situationen offensichtlich auch unterlegen sein können, dies jedoch 
nicht bedeutet das die Privilegien, die unterm Strich übrig bleiben, 
verloren gehen. Erhalten werden diese aus dem performten cis-männ- 
lichen Gender und aus Zuschreibungen von außen - was uns zu dem 
Schluss bringt alle ziehen eine Karte und nehmen am Spiel teil, aber 
nicht alle ziehen einen JOKER! 




CHRONOLOGIE ZUR EINEM VERSUCH TRANSFORMATIVER ARBEIT 
VON ZWEI FREUNDEN MIT EINER GEWALTAUSÜBENDEN PERSON IN 
ABSPRACHE MIT DER BETROFFENEN 

oder wie es dazu kam, das der Text ,10 suggestions‘ aus der Broschüre 
,Ask first! - a resource for survivors of sexual assault and those who 
support them übersetzt wurde. 

ANLASS ZU DER ÜBERSETZUNG WAR EIN SEXUALISIERTER ÜBERGRIFF EINES FREUNDES 
Der Anlass für die Übersetzung dieses Zehn-Punkte-Textes war der 
sexuabserte Übergriff von einem Freund (cis-Typ*) auf einer Party. 
Wir 1 waren teilweise an der Organisierung dieser Veranstaltung be¬ 
teiligt und fühlte uns für einige Dinge mitverantwortlich. Auch diesen 
Freund hatten wir zur Party eingeladen. 

Am Morgen nach der Party hatten wir mitbekommen, dass der 
besagte Freund mit einer anderen Person (eis-Frau*) sich in der Nacht 
ein Bett geteilt hatte und es für die Frau * wohl eine ziemlich unange¬ 
nehme Situation gewesen ist. Der Freund erzählte uns nur, das er wohl 
auf der Party zu viel getrunken hätte und sich an nichts erinnern könne. 
Wir hatten beide ein mulmiges Gefühl. Einer von uns fuhr die betroffene 
Person mit dem Auto nach Hause, weil es ihr offensichtlich nicht gut 
ging. 

Was sich am Anfang als Überforderung äußerte und uns zögern ließ, 
aktiv mit dieser Situation umzugehen; das verwandelte sich später in 
Wut auf unseren Freund. Wut das er mit uns nicht darüber gespro¬ 
chen hatte oder uns informierte und somit kein Austausch stattfand. 
Ich erinnere mich das es nach einiger Zeit auch starke Ambivalenz 
zwischen Wut und Trauer gegeben hat. Vielleicht Trauer auch über 
das fehlende Vertrauen das eine Kommunikation unterbunden hatte. 


1 Wenn von „Wir/wir“ gesprochen wird dann sind damit die zwei Freunde der gewaltaus¬ 
übenden Person gemeint. Sie stehen in einem engen Verhältnis und sind enge Bezugsperso¬ 
nen voneinander. 


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Einige Zeit nach der Party entschieden wir uns die Betroffene noch¬ 
mal zu kontaktieren und sie zu fragen, wie die Party für sie im Endef¬ 
fekt war und ob sie bei irgendetwas Unterstützung braucht oder will. 
Es kam eine sehr wertschätzende Mail zurück, in der sie sich für die 
Nachfrage bedankte, aber auch klar betonte das sie gekränkt gewesen 
wäre, wenn wir uns nicht nochmal gemeldet hätten. 

KONTAKTAUFNAHME MIT DER BETROFFENEN 

Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass es uns nicht besonders 
leicht gefallen ist diese Mail zu formulieren. Es gab für uns Unsicher¬ 
heiten den richtigen Ton zu treffen; Überlegungen ob wir die richti¬ 
gen Worte finden und sowieso ob wir die richtigen Leute dafür sind 
die so etwas ansprechen sollten. 

„Irgendwie entstehen diese ganzen Gefühle von Unsicherheit auch dar¬ 
aus, dass es wenig Austausch und Material zu einem praktischen 
Umgang mit Grenzüb ersehreitung/sexualisierten Übergriffen von 
(cis-) männlichen Freundeskreisen oder eben (cis-)Männern* gibt. Dies 
ist unter anderem ein Anlass zu diesem Text und zu einem Versuch 
mehr über diese Themen zu sprechen. “ 

Im Nachhinein sind wir sehr froh darüber das wir die Person noch¬ 
mals kontaktiert haben - es wäre ziemlich beschissen gewesen hätten 
wir das nicht getan. Darum denken wir das es besser ist nachzufragen 
wie es jemanden mit einer Situationen geht - auch auf die Gefahr hin 
die falschen Worte zu verwenden - als nicht zu fragen wie es jeman¬ 
den geht. 

Jedenfalls war mit diesem ersten Emailkontakt bezüglich dem 
sexualisierten Übergriff ein Prozess in Gang gesetzt worden. 

Ein Prozess den wir zwei - gemeinsam mit der Betroffenen, aber auch 
wir zwei - gemeinsam mit unserem Freund (der gewaltausübenden 
Person) führten. Wir malten uns anfangs nicht aus das es so von stat¬ 
ten gehen würde, wie im Folgenden beschrieben. 


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WIR HATTEN EIN FEMINISTISCHES, SOLIDARISCHES UMFELD 
UND ERFAHRUNG! 

Es war fordernd sich mit dem Thema allgemein auseinander zu setzen; 
emotional teilweise sehr belastend sich speziell mit der Gegebenheit 
zu konfrontieren, dass ein Freund von uns sexualisiert übergriffig 
war; es war schmerzhaft uns einzugestehen und wieder einmal daran 
erinnert zu werden, dass wir selber potentiell sexualisiert übergriffig 
waren, möglicherweise sind und in Zukunft möglicherweise auch sein 
werden. 

„Dies war einerseits eine wichtige Klarstellung, um uns zu dritt mit dem 
Prozess gemeinsam mit unserem Freund, auf Augenhöhe begegnen zu 
können und andererseits eine Fortsetzung einer Auseinandersetzung 
und gegenseitigen Konfrontationen, die wir beide seit Jahren mal stär¬ 
ker mal schwächer miteinander geführt haben.“ 

An dieser Stelle, wollen wir beide betonen das wir diesen Prozess mit 
unserem Freund in Absprache mit der Betroffenen und mit sehr liebe¬ 
voller, beratender Mithilfe von befreundeten Feminist*innen begon¬ 
nen haben. 

Es war auch nicht unsere erste praktische Auseinandersetzung mit 
diesem Thema. Theoretisch wie auch praktisch hatten wir mit der 
Thematik ,sexualisierte Gewalt 1 zu tun - als Freunde und Unterstüt¬ 
zende von Betroffenen, als Freunde von Gewaltausübenden und auch 
selber als Gewaltausübende. 

„Ohne unser teilweise sehr beherztes Umfeld, wären wir mit manchen 
Aufgaben, vor die uns dieser Prozess gestellt hatte, aufgeschmissen gewe¬ 
sen. Auch wenn es uns schlecht gegangen ist mit Konflikten die wir mit 
unserem Freund, aber auch miteinander führten, stießen wir sehr oft 
auf offene Ohren. Es war sehr ermutigend und bestärkend.“ 


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KONTAKT MIT DER BETROFFENEN 


ungefähr i Vi Wochen nach dem Übergriff 

Angefangen hat es damit, dass wir beide begonnen haben mit der 
Betroffenen via E-mail zu kommunizieren. 

Wir kommunizierten der Betroffenen das wir in jedem Fall parteilich 
mit ihr sind - auch wenn wir weiterhin mit unserem gewaltausübenden 
Freund befreundet sind. 

Wir hatten regelmäßigen Kontakt mit der Betroffenen, anfangs via 
email, später haben wir uns auch persönlich getroffen, über den 
Übergriff aber auch über viele andere Dinge geredet. Zum Beispiel 
über Dynamiken die aus der Übergriffigkeit unseres Freundes resul¬ 
tierten. Wir redeten über einzelnen Positionierungen von Menschen 
die eine Rolle in diesen Prozessen spielten, und auch über unsere eige¬ 
ne Motivation diese Gespräche mit unserem Freund zu führen. 

„Bei dem ersten persönlichen Treffen mit der Betroffenen waren wirsehr 
aufgeregt und hatten einen regen Austausch darüber um was es wohl 
beim ersten Zusammentreffen gehen würde. Die Nervosität löste sich et¬ 
was, als klar wurde das die betroffene Person sehr klar ihre Bedürfnisse 
äußerte und uns sagte das sie uns als Teil einer Arbeitsgruppe sehe, die 
versuche das Beste aus der Situation zu machen. “ 

Wir denken es hat der Betroffenen geholfen, das Sie die Möglichkeit 
hatte der gewaltausübenden Person Forderungen und Bedürfnisse 
zu übermitteln ohne direkt mit ihm Kontakt haben zu müssen. Das 
behutsame und schrittweise Vorgehen in regelmäßiger Rücksprache 
mit der Betroffenen hat ihr geholfen ein gewisses Vertrauen zu uns 
aufzubauen was wohl notwendig war um auch der gewaltausübenden 
Person zu vertrauen das Sie Forderungen und Bedürfnisse der Betrof¬ 
fenen ehrlich respektiert. 

„Ich kann mich auch erinnern, dass es angenehm war uns auch über 
andere Themen austauschen, Privates teilen zu können, dies machte 
auch ein freundschaftliches Verhältnis zwischen uns Dreien möglich.“ 


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START DES PROZESSES DER TRANSFORMATIVEN ARBEIT 

Wir beide fingen nach dem Emailkontakt mit der Betroffenen an 
darüber zu reden was wir praktisch mit unserem Freund machen kön¬ 
nen. Wir haben uns darüber unterhalten was es heißt, dass ein Freund 
von uns sexualisierte Gewalt ausgeübt hat. Wir haben uns über unsere 
bisherigen Erfahrungen zu dem Thema ausgetauscht. 

Wir hatten auch schon vor diesem Anlass unregelmäßigen Austausch 
darüber. Wir hatten beide Berührungspunkte mit Konzepten wie 
„transformative justice“, allerdings legten wir nicht am Beginn unse¬ 
rer Arbeit genau fest welches Konzept wir anwenden werden. Viel¬ 
mehr benannten wir es nach einiger Zeit. 

Von Anfang an war uns klar das wir ehrlich sein müssen. Einerseits 
gegenüber uns selber, andererseits aber unbedingt auch gegenüber 
der Betroffenen und unserem Freund. 

Uns selber gegenüber mussten wir ehrlich sein wie viel Zeit & Energie 
wir diesem Prozess widmen wollen und was wir uns davon erhoffen. 
Vor allem was wir uns dadurch von der gewaltausübenden Person als 
solche, vor allem aber auch als Freund erhoffen. Aber auch wie wir 
uns durch den Prozess erhoffen, dass es der Betroffenen besser geht. 
Als wir beide uns konkret über den Prozess unterhalten hatten, stan¬ 
den wir sehr schnell vor der Schwierigkeit das wir beide und unser 
Freund der Gewalt ausgeübt hatte nicht in der selben Stadt wohnen. 
So kamen wir auch auf die Idee mit „dem Ausflug“ (siehe „ungefähr 2 
monate nach dem Übergriff“) 

ERSTES TREFFEN MIT UNSEREM FREUND, DER GEWALTAUSÜBENDEN PERSON 

UNGEFÄHR 1 MONAT NACH DEM ÜBERGRIFF 

Wir hatten eigentlich geplant uns gemeinsam mit unserem Freund zu 
treffen, statt dessen war aber eine Person von uns alleine und deshalb 
formulierte die abwesende Person in der Sache einen Brief, dem ich 
unserem Freund zu lesen gab. 

Bei dem Treffen ist es vor allem um die Kritik, die der Brief angespro¬ 
chen hatte, gegangen. Einer der Kritikpunkte an unseren Freund war 
zum Beispiel seine teilweise nicht-vorhandene Kritikfähigkeit und 
seine Abwehrmechanismen, wenn es Kritik an seinem sexistischem 


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Verhalten gibt. Wir waren außerdem der Meinung, dass er kein 
Bewusstsein hatte, das er als männlich sozialisierter Typ* einen 
bestimmten Blick auf die Welt hat. Das dieser Blick auch mit einigen 
Privilegien verknüpft ist brachte dieser Brief ebenfalls zum Ausdruck. 
Unser Freund hat uns beiden vorgeworfen das unsere Kritik zu 
emotional ist. 

„Ich kann mich nicht mehr an die Details erinnern, ich kann mich 
nur daran erinnern das es emotional anstrengend war und dies wahr¬ 
scheinlich auch aus der Situation folgte das wir beide eine klare Position 
gegenüber seinem Verhalten eingenommen hatten. 

Ich kann mich noch daran erinnern das ich mich plötzlich wie auf der 
Anklagebank gefühlt habe. Das es nur mehr darum gegangen ist wie 
Kritik formuliert wird. Das ich alleine den Text meines Freundes gegen 
ebenfalls zwei meiner Freundinnen (er war mit einer Freundin auf 
Besuch) verteidigen mußte. Es war für mich belastend, vor allem auch 
weil durch die Infragestellung der Kritik ich auch selber begonnen habe 
unsicher zu werden. Vielleicht nicht unsicher in meiner Position, aber 
unsicher in der Wahl der Worte. Ich fühlte mich nicht gut danach. Ich 
glaub die anderen beiden auch nicht. Irgendwie war es als mußte etwas 
raus, auf den Tisch; aber etwas das für alle Beteiligten zunächst einmal 
unverdaulich war. “ 


UNGEFÄHR 1 V 2 MONATE NACH DEM ÜBERGRIFF 

Die Betroffenen trifft die gewaltausübende Person zufällig an ei¬ 
nem Veranstaltungsort und es kommt zum ersten Kontakt von ihm 
und seinem Umfeld nach dem Übergriff, es läuft einiges schief. Die 
gewaltausübende Person kommt auf die Betroffene zu und spricht sie 
an, ob sie sich einmal treffen könnten um sich über die Nacht auf 
der Party zu unterhalten. Die beiden kommunizieren darüber. Kurz 
danach kommt eine Freundin der gewaltausübenden Person auf die 
Betroffene zu und spricht sie auf den Übergriff an. Aus der Sicht der 
Betroffenen relativiert die Freundin den Übergriff ihres Freundes. 


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KURZ DANACH ALSO UNGEFÄHR 1 Y /i MONATE NACH DEM ÜBERGRIFF 

Die Betroffene vermittelte uns das das zufällige Treffen mit der 
gewaltausübenden Person und Leuten aus seinem Umfeld unange¬ 
nehm war und, kommuniziert uns, dass sie sich nicht direkt mit ihm 
auseinandersetzen möchte. Auch das sie von Menschen aus seinem 
Freundeskreis nicht ohne Vorwarnung beziehungsweise Nachfragen 
auf den Übergriff angesprochen werden möchte. 

UNGEFÄHR 1 % MONATE NACH DEM ÜBERGRIFF 

Eine Person von uns Beiden trifft sich mit der gewaltausübenden 
Person und macht ihm klar das es wichtig ist sich intensiver mit Sexis¬ 
mus und solidarischem Verhalten nach sexualisierten Übergriffen 
auseinander zu setzen. 

Wir beide haben der gewaltausübenden Person den Vorschlag 
gemacht das wir gemeinsam für ein paar Tage wegfahren und konkret 
uns mit Sexismus und dem sexualisierten Übergriff und dem Umgang 
damit auseinander setzen möchten. 


„Die emotionale Situation zwischen uns Beiden ist angespannt. Es ist 
als wäre ständig dieser pinke Elefant im Raum. Er möcht ihm aus dem 
Weg gehen. Ich möchte ihn darauf ansprechen und über den Elefanten 
sprechen. Erfühlt sich scheinbar unter Druck gesetzt. Ich darf jetzt nicht 
nachgiebig sein und es ihm und mir leicht nicht machen dem Elefanten 
aus dem Weg zu gehen. Ich habe Angst das wir uns Streiten werden. Wir 
streiten. Wir umarmen uns dann später aber wieder, und es fühlt sich 
alles angenehmer an als bei der allerersten Konfrontation. “ 


DER AUSFLUG 


UNGEFÄHR 2 MONATE NACH DEM ÜBERGRIFF 

Es war die erste Situation bei der wir drei gemeinsam zusammen waren 
und über das Thema seines sexualisierten Übergriffs reden wollten. 
Wir saßen im Auto und es fiel der gewaltausübenden Person nicht 
einfach anzufangen und mit uns über den Vorfall (Übergriff) zu re¬ 
den. Die Situation war anfangs sehr angespannt und fühlte sich unter¬ 
schwellig aggressiv aufgeladen an. 


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„Für mich fühlte es sich ein wenig beklemmend an in diesem Auto zu 
sitzen und zu versuchen dieses Gespräch in Gang zu bringen. Es fiel mir 
auf jeden Fall schwer meinen Freund mit seinem Shit zu konfrontieren 
und gleichzeitig darauf zu achten eine möglichst angenehme Gesprächs¬ 
atmosphäre zu haben, die auch ihm die Möglichkeit gab sich zu öffnen. “ 



Wir haben begonnen die Ereignisse Revue passieren zu lassen. 
Dies war unsere Initiative und wir hatten auch vorher, unter uns 
zwei, abgesprochen wie wir das Gespräch ungefähr aufbauen wol¬ 
len und zum Beispiel auch wer das Gespräch beginnen wird. Unsere 
Gedanken hierbei waren unter anderem auch, dass es gut wäre eine 
Balance zu finden wer von uns Gespräche beginnt. Verschiedens¬ 
te Konfrontationen waren ja auch sehr direkt und nicht besonders 
leicht für unseren Freund anzunehmen und deshalb wollten wir uns 
gegenseitig stützen indem wir versuchten ein Gleichgewicht zu finden 
wer von uns unangenehme Themen anspricht. Nach einiger Kommu¬ 
nikation von unserer Seite und einer weiteren Klarstellung unserer 
betroffenen-solidarischen Position, fing auch er an uns seine Sicht der 
Dinge zu erzählen. 

Dabei haben wir ihn immer wieder daraufhingewiesen, wenn er rela¬ 
tivierende Dinge gesagt hat 


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(wie zum Bespiel: „Ich hatte ein Black Out“, „Ich war schon lange 
nicht mehr so betrunken“, Ich würde selber gerne wissen was in dieser 
Nacht passiert ist“, usw.). 

Gleichzeitig versuchten wir es ihm leichter zu machen über seine 
Handlungen zu sprechen, indem wir ihm von unseren eigenen über¬ 
griffigen Situationen erzählten - und ihm damit klar machten das wir 
nicht seine „Lehrer“ sind, sondern seine Freunde die ihm Dinge klar 
machen wollen und ein gemeinsames Interesse daran haben diesen 
Übergriff nicht von uns wegzuschieben. 

Emotional war es für uns drei eigentlich die ganze Zeit über schwie¬ 
rig. Es haben sich mehrere Ebenen miteinander vermischt. Einerseits 
die der Freundschaft, die Parteilichkeit unsererseits mit der Betroffe¬ 
nen und im allgemeinen auch das der Prozess eine Art „Selbsthilfe¬ 
projekt“ ist. 

Denn auch wir, die wir die Rolle der Konfrontierenden einnahmen, 
schlüpften manchmal aus dieser heraus und lernten neue Wahrneh¬ 
mungen über unser Verhalten kennen beziehungsweise teilten auf 
einmal Verletzlichkeiten und Gefühle mit über die wir zuvor niemals 
unter uns dreien gesprochen hatten. 

Das unser Freund in der Thematik nicht so informiert ist und teilweise 
bist dato nicht sehr interessiert war erschwerte die gesamte Kommu¬ 
nikation, da wir uns oft nicht einig waren über das Verständnis von 
bestimmten Begrifflichkeiten. Begrifflichkeiten die bei der Auseinan¬ 
dersetzung mit sexualisierten Übergriffen immer wiederkehrend sind 
wurden unterschiedlich interpretiert und erklärt. Dies führte später 
auch dazu, dass wir gemeinsam an Begriffserklärungen gearbeitet ha¬ 
ben um ein gemeinsames Verständnis zu erzeugen. 

„Ich habe diesen Ausflug als emotional sehr anstrengend in Erinnerung. 
Ein ständiges hoch und tief der Gefühlswelten-von bedrückendem sich 
Anschweigen hin zu offenen, ehrlichen, selbstkritischen Gesprächen. Eine 
Situation die mir besonders im Gedächtnis geblieben ist, als wir alle am 
Boden einer sehr düsteren Wohnung saßen und einer von uns drei eine 
Gewalterfahrung aus unserer Kindheit teilte, über die wir zuvor noch 


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nie gesprochen hatten. Mir war zum heulen und ich wurde wütend auf 
die Unfähigkeit von männlich sozialisierten Konstellationen in denen 
es manchmal so schwer ist tiefe Verletzungen mitzuteilen und keine 
Angst davor zu haben dafür geächtet zu werden. “ 

EIN GEMEINSAMES PROJEKT 

Etwas das uns sehr bei unserem Prozess geholfen hat war ein gemein¬ 
sames antisexistisches praktisches Projekt. So kam es das wir den Text 
„10 suggestions aus der Broschüre ASK FIRST! - a resource for survi- 
vors of sexual assault and those who Support them“ gemeinsam lasen. 
Im Zuge dessen kam die Idee auf den Text zu übersetzen. 

„Jeder einzelne dieser 10 Vorschläge dauerte lange, da es eher ein Anlass 
war, die Gespräche eher auslöste und sich daraus eine Reihe von ,teils 
sehr persönlichen Themen, ergaben. Ich empfinde es im Nachhinein als 
etwas sehr sinnvolles sich an einem Text zu orientieren, da es der Kom¬ 
munikation ein wenig mehr Schwung verleiht. Außerdem bringt es eine 
Perspektive mehr in die ganze Situation mit hinein. “ 

Parallel dazu hatten wir beide verschiedenste Sachen gelesen und wa¬ 
ren auf der Suche nach verwertbaren Zines, Texten und Büchern. Ein 
Buch das einer von uns während dieser Zeit las, handelte von Trans- 
formativer Arbeit und bot auch praktische Dokumentation von Grup¬ 
pen die mit Tätern arbeiteten. Ein Handbuch für eine Transformative 

Arbeit mit gewaltausübenden Personen. 

(Buch: „Was tun bei sexualisierter Gewalt?“, RESPONS, Unrast Verlag) 

MODUS 

Ein konkretes Resultat aus diesen Tagen war die Erkenntnis das wir 
die Treffen klarer strukturieren wollen. Um diesen schmerzhaften 
Prozess der Auseinandersetzung über seine und unsere Sexismen 
fokussiert behandeln zu wollen. 

Um einen kleinen Abriss zu geben welche Themen uns in unserem 
Prozess beschäftigt haben, haben wir hier einige angeführt - manche 
haben wir ausführlicher diskutiert, manche eher nur erwähnt: 
Kritikverhalten / Verhalten nach sexualisierten Übergriffen / Trans- 


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formative Arbeit / Betroffenenautonomie / Zugang zu Sexualität / 
Definitionsmacht / Patriachale Gewalt / Verhalten in intimen Bezie¬ 
hungen / Schuld / Emotionale Kommunikation / Konsens / Mögliche 
Reaktion auf Grenzüberschreitungen / Erfahrungsaustausch / Ge¬ 
schlechterverhältnisse / Toxische Männlichkeit / Homophobie / uvm. 

Einige dieser Themen findet ihr im Glossar erklärt, einige dieser The¬ 
men kommen in den 10 Punkten vor. 


Im Allgemeinen sind unsere weiteren Treffen in einem ähnlichen 
Setting abgelaufen: 

- Wir treffen uns zu Dritt an einem gemütlichen Ort und 
nehmen uns Zeit 

- Wir sprechen viel über die Atmosphäre unserer Gespräche. Es 
ist immer wieder zu ziemlich unangenehme Situationen zwi¬ 
schen uns gekommen. (Vorwürfe, Kritik etc.) Das hat Misstrau¬ 
en und Verletzungen hervorgerufen. Der emotionale Austausch 
darüber half einerseits jene Verletzungen, hervorgerufen durch 
unsere Auseinandersetzungen, zu heilen, andererseits führte 
das dazu das wir über unsere Gefühle sprechen. Eine unum¬ 
gängliche Praxis, die wir erlernen müssen um darüber hinweg¬ 
zukommen psychische oder physische Gewalt auszuüben - ob 
wir sie nun bemerken oder nicht. 

- Wir tauschen uns immer über Updates aus (z.B. Was ist pas¬ 
siert?, Hat er die Betroffenen zufällig getroffen?, Hat die Be¬ 
troffene einen Wunsch geäußert den sie an die gewaltausüben¬ 
de Person richten möchte?, Hat die gewaltausübende Person 
Ungewissheiten über die Sie reden möchte usw.) 

- Wir überlegen uns gemeinsam über was wir bei diesem Tref¬ 
fen reden möchten und sammeln gemeinsam Punkte. 

- Wir machen uns Notizen was wir bei einem Treffen bespro¬ 
chen haben - einerseits für uns, um im Nachhinein besser zu 
wissen was passiert ist - andererseits damit die Betroffenen die 
Möglichkeit hat zu erfahren was wir gerade machen. 


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„Retroperspektivisch finde ich das es ein Vorteil für jegliche Ausein¬ 
andersetzung mit dieser Thematik sein kann, einen fixen Modus, eine 
Strukturierung von einem Zusammentreffen, zu finden. Es fühlt sich 
um einiges sinnvoller an, zum Beispiel, gemeinsam darüber entschieden 
zu haben welche Punkte wir diskutieren wollen. In unserem Fall fand 
ich den Austausch über die Atmosphäre sehr wichtig, weil sie ein Gefühl 
dafür gab wie sich die jeweilige Person gerade fühlt, wie belastbar sie 
gerade ist, und wie weit sie gehen mag. “ 

GEDÄCHTNISPROTOKOLL DES ÜBERGRIFFS, 

FORDERUNGEN 

UNGEFÄHR 3 MONATE NACH DEM ÜBERGRIFF 

Sowohl an die gewaltausübende Person, als auch an uns verschickte 
die betroffene Person ein sehr ausführliches Gedächtnisprotokoll (in 
unserer Broschüre am Anfang zu finden), welches wir mit großer Be¬ 
wunderung und Wertschätzung behandelten. 

Wir finden es immer noch sehr wichtig und glauben, dass es für viele 
(cis-) Typen eine Chance sein kann sich emotional näher auf die The¬ 
matik einzulassen. Die betroffene Person kommunizierte uns die Bit¬ 
te, dass möglichst alle Personen die darüber sprechen dieses Gedächt¬ 
nisprotokoll lesen sollten und sich auf dieser Basis mit dem Übergriff 
auseinandersetzen sollten. 

Wir hatten regelmäßig Kontakt mit der Betroffenen und mittlerweile 
hatte sie Forderungen an unseren Freund, die gewaltausübende Per¬ 
son, an sein Umfeld und an die Organisator_innen der Party. 

„Als ich das Gedächtnisprotokoll das erste Mal bewusst gelesen hatte, 
wurde mir ganz mulmig. Ich fand das es wahnsinnig stark war von ihr, 
emotional so unter Druck zu stehen und trotzdem sich so zu öffnen. In 
mir kam dennoch eine Art, Nervosität hoch, da ich hoffte den Wunsch 
und die Forderung der Betroffenen nach einer breiteren Auseinanderset¬ 
zung (sei es am Veranstaltungsort oder in der Orgagruppe) vorantreiben 
zu können. Bei der Entstehung der Broschüre hatten wir öfters die Diskus¬ 
sion über die Auswirkungen zur Veröffentlichung dieses Gedächtnispro¬ 
tokolls. Wir wollen dadurch keinesfalls einen Art „Standard“ festlegen 
und andere Betroffene deshalb als unglaubwürdiger erscheinen lassen. “ 


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Die Mitwirkenden dieser Broschüre teilen die Position das alleine 
die Betroffene die Definitionsmacht über einen sexualisierten Über¬ 
griff behält, egal ob sie diesen detailliert beschreibt oder nicht! In 
unserer Broschüre oder Auseinandersetzung war es vielmehr eine 
Grundinformation, die es Menschen ermöglichte eine Basis für 
Kommunikation darüber zu haben. 

FORDERUNGEN AN DIE GEWALTAUSÜBENDE PERSON 

Die Forderung der Betroffenen Person an die gewaltausübenden 
Person war, dass er sich mit seinem Sexismus und seinem übergriffi¬ 
gen Verhalten auseinandersetzten soll. Außerdem war eine Forderung 
dass, wenn die Betroffenen zufällig mit der gewaltausübenden Person 
an einem Ort (z.B. Veranstaltungsraum, etc.) ist, er ihr den Aufenthalt 
möglichst angenehm machen soll das heißt sie nicht anzusprechen; 
und das er dafür sorgt das sein Umfeld sie auch nicht wahllos an¬ 
spricht. 

FORDERUNGEN AN DAS UMFELD 

Sexismus ist nicht nur eine Tat einer einzelnen Person sondern ein 
strukturelle Unterdrückungspraxis. Die Forderung das sich selbstver¬ 
ständlich er, aber auch dass sich sein Umfeld von der Betroffenen fern 
halten soll, inkludiert das er über den Übergriff mit seinem Umfeld 
reden muss und es damit im Besten Fall zu einem Austausch darüber 
kommt, der zu einer Sensibilisierung des Themas führt. 

FORDERUNG AN UNS 

Wir beide sahen uns mit der Situation konfrontiert das wir uns wie 
auch andere in eine „unangenehme Situation“ bringen müssen um ei¬ 
nen antisexistischen Prozess voranzutreiben. Wir beide müssen auch 
so ehrlich sein und zugeben, dass wir ohne die Forderung der Betrof¬ 
fenen wahrscheinlich nicht die anderen Organisator_innen der Party 
damals mit dem Thema des Übergriffs konfrontiert hätten. 

Aufgrund des Gedächtnisprotokolls der Betroffenen wurde weniger 
über den Übergriff an sich, sondern vielmehr darüber gesprochen wie 
solche Vorfälle im Vorfeld besser zu verhindern sind. 


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BREITERE DISKUSSIONEN UND KONSEQUENZEN 

UNGEFÄHR 3 Vl MONATE NACH DEM ÜBERGRIFF 

Einerseits gab es Diskussionen darüber wie Partys anders organi¬ 
siert werden können damit es nicht mehr so einfach zu sexualisierten 
Übergriffen kommt. Andererseits wurde auch darüber diskutiert das 
patriarchale Verhältnisse ein Problem sind und wir zur Überwindung 
dieser Probleme in unserem näheren Umfeld anfangen müssen. 

Einer der konkret formulierten Forderungen von Aktiven des 
Veranstaltungsortes war zum Beispiel das Sie gerne hätte das die 
gewaltausübende Person zu einem der regelmäßige stattfindenden 
Treffen kommt, um darüber zu reden wie Sie mittlerweile mit dem 
Übergriff umgeht. Dies wurde auch an die gewaltausübende Person 
kommuniziert, das er solange nicht willkommen sei bis er nicht auf 
eins von den wöchentlichen Treffen kommt und seinen Umgang mit 
dem Übergriff erklärt. 

ZWEITES TREFFEN DER BETROFFENEN MIT DER GEWALTAUSÜBENDEN PERSON 

UNGEFÄHR 4 MONATE NACH DEM ÜBERGRIFF 

Dadurch das wir wussten das unser Freund bald bei einer Veranstal¬ 
tung arbeiten wird wo die Betroffene vermutlich hinkommen wird, 
konnten wir bereits im Vorfeld mit ihm darüber reden was gute 
und möglicherweise weniger gute Verhaltensweisen sind. Im Sinne 
von welche Verhaltensweisen könnten die betroffene Person in eine 
Zwangssituation bringen, mit der gewaltausübenden Person in Kon¬ 
takt treten zu müssen. In unserem Fall bedeutete das wir gemeinsam, 
mit unsrem Freund, ausmachten das er nicht sich den ganzen Abend 
in der Nähe oder hinter der Bar aufhalten kann. 

Die Betroffenen berichtete das diese zweite zufällige Begegnung mit 
der gewaltausübenden Person zumindest wesentlich angenehmer war 
als die Erste. Es gab uns beiden Mut das wir etwas richtig machten. 

Vi JAHR NACH DEM ÜBERGRIFF 
Mittlerweile ist über ein Vi Jahr seit dem sexualisierten Übergriff un¬ 
seres Freundes vergangen. Wir glauben das wir etwas versucht ha¬ 
ben das sich bestenfalls als „an transformativer Arbeit orientiert“ 
beschreiben lässt. Wir glauben das es eine wichtige Arbeit war. Als 
erreichtes Minimum können wir eine Tätigkeit beschreiben, die dafür 


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gesorgt hat, daß der Betroffenen nicht noch vielmehr Schaden zuge¬ 
fügt wurde als durch den sexualisierten Übergriff unseres Freundes 
selber. Alle Auseinandersetzungen zwischen uns zwei und unserem 
Freund fanden zu einem sehr großen Teil durch unser beide Initiative 
statt, mit seiner Teilnahme. Es hat bis heute Auswirkungen auf das 
Vertrauen in unserer Freundschaft und wir wollen es aber trotzdem 
weiterhin versuchen. Solange es eine Kommunikationsebene gibt, in 
(eis-) männlichen Freundschaften, teilen wir die Meinung, dass es ein 
Leichtes wäre sich von Freunden die Gewalt ausüben zu distanzieren. 
Jedoch ist es jedes mal aufs Neue auch eine Selbstkonfrontation und 
eine Auseinandersetzung die ehrliche Freundschaften auch aushalten 
müssen. 

„Für mich war es auch ein Teil meiner Motivation, die mich dazu brachte 
meinen Freund zu konfrontieren, dass ich selber mir in seiner Situation 
auch ein Umfeld wünschen würde - das mich konfrontiert, mir zuhört, 
mich unterstützt selbstkritisch zu sein, mir Dinge beibringt und mich 
dabei begleitet patriarchale Gewalt zu erkennen und sie zu bekämpfen. “ 

Wünschenswert wäre es wenn es allgemein auch ohne Vorfälle und 
Umgängen wie diese es zu mehr selbstkritischen Austausch unter (po¬ 
tentiell gewaltausübenden) (cis-) Männern und ihren Umfelder zu ih¬ 
rer sexualisierter Gewalt, ihren Übergriffigkeiten und ihren Sexismen 
kommt. 



PAIM 


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TEXTE 


FIGHTING SEXUAL ASSAULT 

Introductory Texts / From Consent to Myth Busting 
To Responses from Radical Communities 
http://defma.blogsport.de/images/fighting_sexual_assault.pdf 


"Gedanken über gemeinschaftliche Hilfe in Fällen von intimer Gewalt" 
http://transformation.blogsport.de/images/TransformativeHilfe.pdf 


"Das Risiko wagen - Strategien für selbstorganisierte und kollektive 
Verantwortungsübernahme bei sexualisierter Gewalt" 

https://www.transformativejustice.eu/wp-content/uploads/2017/04/Das-Risiko-wagen.pdf 


Buch: "Was macht uns wirklich sicher?" 

Toolkit für Aktivistinnen 
knackig und praxisorientiert "transformative justice" 
erklärt und veranschaulicht - mit praktischen Übungen! 
https://www.transformativejustice.eu/wp-content/uploads/201 7/07/toolkit-fmished-1 .pdf 


Text: "Was macht uns sicher? 

Die Polizei jedenfalls nicht - der Transformative-Justice-Ansatz" 

von Melanie Brazzell 

https://www.akweb.de/ak_s/ak621/34.htm 


"Wer A sagt muss nicht B sagen" 

3 zines "in dem es um A_sexualität geht. 
Also um Asexualität und Sexualität 
aber auch um das dazwischen und das drumherum." 

http://asexyqueer.blogsport.de/zine/ 


"Was wenn du einer Grenzverletzung beschuldigt wirst?" 

zu finden in der Rubrik "Texte" 
auf dem archivierten blog von "reSIST©?" 

http://resistas.blogsport.eu 


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"DON'T BE A DICK! (REVISED EDITION)“ 

It's a english zine 

It's described by the author as a zine for men about rape, consent, and how not 
to be a dick. The zine provides an excellent introduction to rape and sexism for 
cisgender men, with an emphasis on being accessible and engaging. [...]" 
https://archive.org/details/DontBeADickrevisedEdition 


Infotisch Dortmund 

Dort findet ihr unter der rubrik "feminismus" & "kritische männlichkeit" 

viele spannende und zeitgenössische broschüren 
teilweise auch sehr neue Übersetzungen aus dem englischen 
https://infotisch.noblogs.org/tag/feminismus/ 
https://infotisch.noblogs.org/tag/kritische-maennlichkeit/ 


Fund for Suvivor Support Work 
Links zu Zines über Rape Culture und Sexualisierten Übergriffen 
https://phillysurvivorsupportcollective.wordpress.com/ 


GRUPPEN 

Awarenetz.ch 

"Awarenetz ist das Netzwerk für Awareness 
- hier werden Menschen vernetzt, 
Wissen geteilt und Termine aufgeführt." 


Transformative Justice Netzwerk Berlin 
"Unsere Gruppe arbeitet seit 2011 zu den Themen sexualisierte Gewalt, Communi¬ 
ty Accountability und Transformative Justice.[...]" 
https://www.transformativejustice.eu/de/ 


Queertopia 

"Seit 4 jahren bietet queer_topia* vorträge und workshops im bereich sexuelle, 
amouröse und geschlechtliche Vielfalt, Sexualität und geschlechterrollen an. [...]“ 

http://queertopia.blogsport.de 


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